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www.dichtung-digital.de/2000/Simanowski/15-Feb
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Claudia
Klinger
in der Mailingliste Netzliteratur am 5. März
2000
Hallo Roberto, hallo
Listige,
ich fühle mich reich
beschenkt durch Robertos ausführliche und
hingebungsvolle Rezension des Mitschreibprojekts "Beim
Bäcker". Zum ersten Mal erlebe ich, wie es ist, wenn
jemand sich einer Sache, die ich lange moderierte,
ausführlich widmet. Und nicht nur die webüblichen
4 Zeilen Lob! Als erstes werde ich mich darum bemühen,
möglichst allen Autoren Mitteilung von diesem Geschenk
zu machen - was nicht immer leicht sein wird, denn
Mailadressen wechseln.
Ich war hingerissen, zu
lesen, wieviel Roberto durch blosses Lesen (=ohne
Informationen über das "Leben dahinter", das
Mit/Gegeneinander der Beteiligten) von dem Text, bzw. dem
Ereignis mitbekommen hat. Darüberhinaus würdigt er
auch die einzelnen Beiträge geduldig und
wohlwollend.
Seine anschließenden
Beobachtungen und Kritikpunkte decken sich in weiten Teilen
mit meinen und ich fühle mich wieder mal motiviert,
eine Geschichte des Textes aus meiner Sicht zu schreiben -
kann es aber nicht, bzw. lasse lieber die Finger davon.
;-)
Die "Thesen zu den
Möglichkeiten und Grenzen des Genres" sind ein Thema,
das zur Weiterdiskussion einlädt. Gegen Ende schreibt
Roberto:
>Aus diesem
Grund vegetiert die Geschichte bald nur noch vor sich
hin, von Zeit zu Zeit noch jemanden zu einem Beitrag
>bewegend (der letzte Beitrag ist auf Dezember 98
datiert). Was sie braucht, ist ein Autor, der ihr
Scheitern erzählt - anders gesagt: ihr Ende. Denn
wenn keiner an der Zusammenführung und
Schließung der Spannungsbögen arbeiten will,
bleibt letzlich nichts als ein gekonnter
Abbruch.<
Ich habe öfter schon
daran gedacht, selbst ein Ende zu schreiben - fühlte
mich dazu als Moderatorin in der Pflicht. Denn, wie Roberto
schreibt:
>Das Ende
öffentlich auszurufen ist die Aufgabe des letzten
Autors. Da der Text keinem gehört, kann keiner
wirklich diese Aufgabe übernehmen.
Kein Autor kann sich
'anmaßen', diesen Text "zu beenden" - bzw. wenn er es
täte, wäre der nächste keineswegs in der
Pflicht, dieses Ende zu akzeptieren. Und ein Ende, das nicht
"echt" ist, bzw. nur eine Meinungsäußerung, ist
eben kein Ende.
Also ich, als Moderatorin,
weil ich den Text ALS MITSCHREIBPROJEKT arrangiert habe?
Zwar schrieb ich weder den ersten noch irgend einen Teil des
"Bäcker", doch nach dem zweiten Part gab ich der Sache
eine eigene Website - also war ich für das Anlaufen
verantwortlich und muß es auch beenden.
Dachte ich mir immer, konnte
aber nicht, - NICHT ALS AUTORIN. Weil es mich
tatsächlich inhaltlich nie gereizt hat, mich auf einen
der Texte oder gar mehrere einzulassen. (Warum? Das
wäre vielleicht ein Thema....aber eine andere
Geschichte).
Einfach "The End"
darunterschreiben, schien mir auch nicht
angemessen.
Nun befreit mich Roberto aus
diesem Dilemma - auf solch eine wundervolle Weise! Ich werde
etwas in der Art dieser E-Mail als letzen Part darunter
setzen und dann zur Rezension linken.
Das ist das beste! Wir
können für solche Mitschreibprojekte feststellen:
- Gestalt und Pflege gibt
die Moderatorin. (Form geben)
- den Inhalt liefern die
Autoren. (Form füllen)
- das Ende setzt die Kritik.
(zerstören oder in die Vitrine stellen).
Herzlichen Dank!
Jedenfalls habe ich
begriffen, daß es der Netzliteratur vor allem an
Kritik mangelt. (Ja, überhaupt erstmalig bemerkt, wie
nützlich hier Kritik sein kann.) Da man an vielen Ecken
immer wieder hört, daß jemand aus dem
akademischen Raum "Netzliteratur" thematisiert, besteht
vielleicht Hoffnung, daß sich das ändert. Und
Roberto setzt ja tolle Maßstäbe!
Vielleicht müssen
erstmal alle wesentlichen Werke (die ja kaum mal jemand
länger als 5 Minuten angesehen hat...) durchkritisiert
werden, bevor wirklich neue entstehen!
Besten Gruß
Claudia Klinger
Ihr
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