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Dissoziierte Autoren
Netzliterarische Autorschaft zwischen Tradition und Experiment

von Florian Hartling

Die 'Geburt' des "World Wide Webs" war begleitet von sehr gro§en Hoffnungen seitens autorkritischer Literaturtheoretiker. Diese waren zuversichtlich, dass die neuen Medien 'endlich' die poststrukturalistische Missbilligung traditioneller Autorkonzepte in der Literatur umsetzen und den Leser 'befreien' wŸrden. Diese Vorstellungen haben sich offenkundig nicht erfŸllt, stattdessen sind auch in digitaler Literatur immer wieder Strukturen traditioneller Autorschaft festzustellen. Erstens haben singulŠre Autorkonzepte im Internet 'Ÿberlebt' und werden mit teilweise sogar grš§erer IntensitŠt umgesetzt. Zweitens: Im Gegensatz zur reichen kollaborativen Textproduktion in informierenden ZusammenhŠngen sind literarische, kollektive Projekte immer noch recht selten. Zudem kann - drittens - auch in kollaborativen Arbeiten oder in den sogenannten "Codeworks" der Autor nicht verschwinden, sondern seine Funktionen werden Ÿber verschiedene Personen und EntitŠten verteilt. Dies kann sogar zu einer maximal verteilten, "dissoziierten" Autorschaft fŸhren.

Insbesondere die netzliterarische Konzeptkunst und die damit verbundene stark verstreute Autorschaft sind mit Hinblick auf Autorschafts-Konzepte hochinteressant. Sie wird daher im Artikel sehr intensiv anhand des Projektes "Search Lutz!" (2006) von Johannes Auer diskutiert. Die dazu notwendige Verortung dieses speziellen Autorschaftskonzeptes unter den online mšglichen leistet eine Autorschaftstypologie, die au§erdem vorgestellt wird.

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