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Newsletter Juli '01
4/2001 (3.Jg. / Nr. 18) - ISSN 1617-6901
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Inhalt Newsletter:
Web als Bühne / Ästhetik der Lüge / Writing With the Code / Interview Döhl & Auer / Richters Fotofragmente / InternetKunstPreis 2001 / Fishers "Waves of Girls" / Interview Federman / Literaturfeste und Netz-Diskurse / Netz-Buch "Pixel-Ich" / Lialinas "my boyfriend came back from the war"


Das ganze Web eine Bühne!? Netzinszenierungen und Internetperformances [Deutsch]

Gibt es die Netzkunst? Und wenn es sie nicht gibt, ist das Theater dann ein Teil davon? Gisela Müller stellt - nach einigen prinzipiellen Überlegungen - die Preisträger des Wettbewerb "webscene" vor und nutzt dabei eine sechsstufige Kategorisierung zur Genre-Unterscheidung. Ihr Fazit: Das Neue lässt sich nicht mehr im Internet allein finden, sondern dort, wo die Grenzen vom virtuellen zum realen Raum wieder überschritten werden, das Internet als eines von mehreren einsetzbaren Medien begriffen und wieder stärker als das was es ist verstanden wird: eine Kommunikations- und Distributionstechnologie. Die anvisierte, vom 'alten' Theater inspirierte Kunstform könnte Inter-Aktionen heißen und an die Performance- und Happening-Kunst der 60er Jahre anschließen.
http://www.dichtung-digital.com/2001/07/18-Mueller

Zur Ästhetik der Lüge. Gefälschte Websites und Hochstapler [Deutsch]

Während im Literaturbetrieb das Ende der genauso apolitischen wie selbstinszenatorischen Popkultur ausgerufen wird, gibt es im Internet einen Polit-Pop, der mit bösen Mitteln gute Werke tut. Da werden Websites gefälscht, da werden Falschmeldungen in Umlauf gebracht, da geben sich Künstler als Politiker aus. Aber die Inszenierung ist nicht Selbstzweck. Roberto Simanowski sieht die Hochstapelei im Dienste der Aufklärung, der Vermittlung von Medienkompetenz, der Erziehung zum Misstrauen. Die Reservierung der richtigen Domain ist oft der Anfang.
http://www.dichtung-digital.de/2001/07/17-Simanowski

Writing With the Code - a Digital Poetics [Englisch]

Der Leser als Objekt des Object Oriented Programming, das sein Lesen liest. Was in kommerziellen Websites normal ist, kann auch in digitaler Narration eingesetzt werden. Søren Polds Artikel handelt von einer Poetik der Objekte und ihrer Interaktion, von den Dingen hinter Link und Interface (Etoys Hijacking, Jodis dekonstruktive Browser). Die Schlussfolgerung: digitale Literatur zielt auf die Interpretation des Codes, auf seine Sichtbarmachung und die Demonstration seiner Bedeutung: Digitale Literatur ist somit "a critical investigation into the computer".
http://www.dichtung-digital.com/2001/07/15-Pold

Stuttgarter Gruppe und Netzprojekte: Interview mit Reinhard Döhl und Johannes Auer [Deutsch]

Reinhard Döhl zeigt die Traditionen der aktuellen Netzexperimente, Johannes Auer entlarvt den immer wieder gleichen Dekonstruktivismus der Textsourcefetischisten (Jodi & Co) als "binären Idealismus". Eine klare Attacke, der man Folgen wünscht. Weitere Gesprächsthemen: Zufallsdichtung, Begriffsroulett, optische Überinstrumentierung, kooperative Autorschaft, der Anteil des Programmierers am Ruhm des Ideengebers und die Ängste das Publikums vor den Experimenten der Künstler.
http://www.dichtung-digital.com/2001/07/4-Auer-Doehl

Fotofragmente. Frank Richters "I concrete myself in a oscillating world" [Deutsch]

Die Wettbewerbsfrage "Wer bin ich heute? Was werden wir morgen tun?" beantwortet Richter, indem er ein Selbstportrait der Bearbeitung durch Flash, JavaScripts und dynamische Layer aussetzt. Das erbringt interessante Effekte einer dekonstruktivistischen Fotofilosofie. Cindy Sherman würde, könnte sie programmieren, vielleicht etwas ähnliches machen. Aber sie würde wohl die Fallen der Wiederholung vermeiden und die Fotos stärker mit den Texten verbinden, meint Roberto Simanowski.
http://www.dichtung-digital.com/2001/06/25-Simanowski

InternetKunstPreis 2001 - Die Preisträger [Deutsch]

"Wer bin ich heute? Was werden wir morgen tun?" - so lautete die Themenvorgabe, die mit den Mitteln des Internet angegangen werden sollte. Die Jury vermisste etwas die "internetspezifische Interaktion" und verteilte das Preisgeld auf zwei völlig verschiedene Werke. Roberto Simanowski findet beide nicht unproblematisch.
http://www.dichtung-digital.com/2001/06/22-Simanowski

Caitlin Fishers "These Waves of Girls". Preisträger des ELO Award 2001 [Deutsch]

Der ELO Award 2001 geht an Caitlin Fishers Hyperfiction These Waves of Girls. Was bewog die Jury, sich gegen die weit radikaler mit dem neuen Medium arbeitenden Mitbewerber gerade für dieses recht harmlos erzählende Werk zu entscheiden. Die multimediale Verpackung? Das strukturadäquate Sujet des Erinnerns? Das publikumswirksame Thema der lesbischen Identität? Roberto Simanowski stellt das Werk mit einigen Auszügen vor, die im konkreten und im allgemeinen auch nach Sinn und Wesen der Verlinkung, der Bild-Text-Bezüge sowie den Maßstäben des Designs fragen lassen.
http://www.dichtung-digital.de/2001/06/20-Simanowski

From Surfiction to Hypertext. Interview with Raymond Federman [Englisch]

Sein Manifest titelt "The Real Begins Where the Spectacle Ends", fragt nach den Überlebenschancen der Literatur und sieht diese in Surfiction und Critifiction. Deren Ausführungsbestimmungen - to break with the linear concept of syntax - gemahnen an Hypertext, der durch die Multimedialisierung des WWW selbst von der Dramaturgie des Spektakels bedroht ist. Roberto Simanowski sprach mit Raymond Federman über Spektakel off- und online, über Playgiarism und das Konzept der Realfiction.
http://www.dichtung-digital.de/2001/06/09-Federman

Literaturfeste und Netz-Diskurse. Das Internationale Literaturfestival und der Hypertext [Deutsch]

Die Literaturfestivals zeigen keine Berührungsängste mehr und nehmen das Thema Literatur im Internet gern ins Programm auf. So auch das erste Internationale Literaturfestival vom 14.-24. Juni in Berlin. Ist der Glaube an die Zukunft des Buches so groß, dass man den Medienkonkurrenten nicht mehr fürchten zu müssen glaubt? Oder ist er so schwach, dass man diesen nicht länger ignorieren will? Roberto Simanowski glaubt, dass man von Foucault gelernt hat und die Sache durch eine bestimmte Diskursivierung erledigen will.
http://www.dichtung-digital.de/2001/06/19-Simanowski

Ich surfe, also bin ich. Das Netz-Buch "Pixel-Ich" [Deutsch]

"Ein Buch über die Auswirkungen eines kommunikativen Mediums auf den Lebensalltag von Menschen - eine Mediengeschichtsschreibung von unten." So hat Christiane Heibach das Buch gelesen, dessen Erscheinen einst eine Debatte im Literaturcafe.de hervorrief. Sie fand es unterhaltsam, "manchmal ob der vielen Selbsterforschung auch ermüdend", und teilt aus mehreren Gründen nicht die anderswo vorgebrachten Einwände gegen das Unternehmen der Buchpublikation an sich.
http://www.dichtung-digital.de/2001/06/18-Heibach

Russisch Hypertext. Olia Lialinas "My boyfriend came back from the war" [Deutsch]

Olia Lialinas "My boyfriend came back from the war" (1996) ist ein Stück digitaler Literatur mit beneidenswerter Wirkungsgeschichte. Im Gegensatz zu anderen Hypertexten hat man hier das Gefühl, dass etwas mit einer Unausweichlichkeit funktioniert, die man Links nicht zutraut. Weil die Geschichte so kurz ist? Weil die Links ins Vertikale und Horizontale gesetzt sind? Weil Lialinas Englisch eine prägnante Beschreibung erzeugt?
http://www.dichtung-digital.de/2001/06/10-Simanowski


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